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04.12.2014

 

 

Wissen teilen

Mentoren- und Tandemmodelle nutzen, aber wie?

 

Lernpartnerschaften bewahren ein Unternehmen vor dem Verlust von kostbarem Wissen. Bis zu sechs Monate arbeiten dabei eine Nachwuchs- und  eine erfahrene Fachkraft eng zusammen und sichern so die Betriebserfahrung und Weiterentwicklung zentraler Unternehmensprozesse. Dabei geben ältere Fachkräfte ihre Erfahrung an die Jungen weiter und bringen sich fast nebenbei selbst auf den neuesten Stand.

Die Wilhelm Lambrecht GmbH fertigt seit 1859 klimatologische Messinstrumente. Die Produkte finden sich überall dort, wo Wind, Niederschlag oder Temperatur gemessen werden. Die Erfahrung des Unternehmens: Aktuelle Ausbildungsgänge und Weiterbildungen vermitteln die für die Arbeit des Betriebs benötigten besonderen Kompetenzen nicht – zu selten werden diese von der Wirtschaft nachgefragt, zu speziell sind die Produkte. Der anstehende Ruhestand mehrerer älterer Beschäftigter mit bis zu 45 Jahren Betriebszugehörigkeit löste erst eine Krise aus, dann brachte die Situation das Unternehmen dazu, zwischen Jung und Alt Lernpartnerschaften einzurichten. Mit großem Erfolg.


In drei festen Lernpartnerschaften arbeiten heute jeweils eine Nachwuchs- und eine erfahrene Fachkraft bis zu sechs Monate zusammen. Sie bearbeiten Probleme und Aufgaben aus der Produktion, Klempnerei, Lackiererei, Vertrieb, Zollabwicklung oder Softwareumstellung. Neben den langfristigen Tandems werden aus aktuellen Anlässen wie Kundenreklamationen auch kürzere Lernpartnerschaften initiiert: Dann erarbeitet ein Mitarbeiter-Tandem Verbesserungsvorschläge und mögliche Eingriffe in den Produktionsprozess. “Zwei Köpfe kommen einfach zu besseren Ergebnissen, als ein Kopf alleine“, sagt Geschäftsführer Dirk Molthan. „Gleichzeitig stellen wir durch unsere Lernpartnerschaften sicher, dass firmen- und fachspezifisches Wissen von den Älteren an die nächste Generation weitergegeben wird und für den Betrieb nicht verloren geht.“


Entscheidend für den Erfolg sei eine enge und offene Kommunikation zwischen Führungskraft, Nachwuchs- und erfahrener Fachkraft. „In Vorabgesprächen spreche ich mit den Betroffenen über den Sinn und die Ziele der Lernpartnerschaften“, so Molthan. Eventuelle Befürchtungen der Beteiligten werden genauso angesprochen, wie die Vorteile für jeden einzelnen. Denn von Lernpartnerschaften profitieren alle: Jüngere Beschäftigte können dank der Erfahrung und dem Fachwissen ihrer älteren Kollegen schneller mehr Verantwortung übernehmen. Die Älteren eignen sich über die Jüngeren aktuelles Wissen an und öffnen sich neuen Technologien und Methoden. Der Betrieb kann seine Kompetenz in der Bearbeitung komplexer Produkte über Generationen hinweg erhalten und sich gleichzeitig kontinuierlich weiterentwickeln. Und noch einen Vorteil bringt das Tandemmodell: „Die Lernpartnerschaften haben den Teamgeist in unserer Belegschaft gestärkt. Eine Kluft zwischen Jung und Alt gibt es jetzt nicht mehr“, sagt Geschäftsführer Molthan nicht ohne Stolz.

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