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17.02.2016

 

 

Potenziale erkennen

und Wege ebnen

 

Arbeit und Integration für Flüchtlinge: Dieses Ziel verfolgt die neue Anlaufstelle W.I.R – Work and Integration for Refugees.
Die beteiligten städtischen Einrichtungen und Träger beraten und betreuen Menschen mit guter Bleibeperspektive und bringen sie mit Hamburger Unternehmen zusammen. Handwerkskammer-Mitarbeiter Haiko Hörnicke über seine Aufgaben in der Anlaufstelle und die ersten 100 Tage des Kundenbetriebs.

 

Herr Hörnicke, was und wer genau verbirgt sich hinter W.I.R?

Haiko Hörnicke: Kurz gesagt: W.I.R ermöglicht Flüchtlingen mit guter Bleibeperspektive den frühzeitigen Eintritt in den Arbeitsmarkt. Das übergeordnete Ziel ist die schnelle und nachhaltige Vermittlung von Flüchtlingen in Praktika, Ausbildung und Arbeit. Projektbeteiligte sind die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI), die Agentur für Arbeit (AfA) Hamburg und das Jobcenter team.arbeit.hamburg. Hinzu kommen zahlreiche Hamburger Träger der Flüchtlingshilfe und der Arbeitsmarktintegration. Ich selbst repräsentiere die Handwerkskammer und betreue Männer und Frauen über 25, die keinen deutschen Ausbildungs- oder Studienabschluss haben. Wenn die sprachlichen Voraussetzungen gegeben sind, können Flüchtlinge mithilfe einer passgenauen Qualifizierung einen Abschluss erreichen oder eine Weiterbildung absolvieren. Durch Kompetenzfeststellungen versuchen wir herauszubekommen, ob zum Beispiel eine deutsche Gesellenprüfung nachgeholt werden kann. Soweit möglich, flankieren wir solche Vorbereitungen auf die Gesellenprüfung mit Praktika und Sprachförderung, um den Flüchtlingen erste Erfahrungen im deutschen Arbeitsalltag zu ermöglichen.

Wie sehen der Prozess und die Zusammenarbeit der Projektpartner aus?

Haiko Hörnicke: Wir wollen Potenziale erkennen und Wege ebnen. Dabei ist der erste Schritt einer der wichtigsten: die systematische Erfassung der Lebenslage sowie die Feststellung der beruflichen und sprachlichen Kompetenzen des Flüchtlings. Auch die familiäre und gesundheitliche Situation ist von Bedeutung: Leidet der Mensch zum Beispiel an einem Trauma, das bestimmte Arbeitsumfelder oder Aufgaben ausschließt? Schritt zwei, die gemeinsame Fallbesprechung, führt zu einer institutionenübergreifenden Lösung für die jeweilige Situation. Das kann ein Sprachkurs, das Nachholen eines Berufsabschlusses, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder eine Weiterbildungsmaßnahme sein. So schaffen wir die Voraussetzungen für eine Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Das ist aber nur die eine Seite. Im Rahmen des Unternehmensservices beraten wir Hamburger Arbeitgeber und erfassen und kommunizieren deren Angebote und Bedarfe, etwa vakante Praktikums-, Arbeits- und Ausbildungsplätze. Diese freien Stellen haben wir dann in jedem Beratungsgespräch mit einem Flüchtling parat und können so Angebot und Nachfrage direkt miteinander abgleichen. Und kommt ein Praktikum oder eine Anstellung zustande, begleiten und unterstützen wir die Unternehmen auch über die Vermittlung hinaus.

Ihr Zwischenfazit nach 100 Tagen Kundenbetrieb?

Haiko Hörnicke: Sowohl die Flüchtlinge als auch die Hamburger Wirtschaft haben großes Interesse an der zügigen Vermittlung in Ausbildung und Arbeit. Es gibt viele gut qualifizierte Teilnehmer, denen wir mit der integrierten Kompetenzfeststellung, der Einzelfallbetrachtung und vielen weiteren Maßnahmen gerecht werden können. Ich persönlich finde am W.I.R-Prinzip besonders gut, dass wir die Flüchtlinge vor dem Eintritt ins Regelsystem ansprechen und so gemeinsam mit ihnen reflektieren und planen können. Die kurzen Wege ermöglichen vieles, und jeder Beteiligte bringt nicht nur sich selbst, sondern auch noch sein eigenes Netzwerk ein.

>> Weitere Infos zum Projekt W.I.R

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